DER MANALI-LEH-HIGHWAY

Der Bus schien die Schlaglöcher der Passstraße zu überfliegen. Ein Transit durch ein geheimes Nebelreich, in dem nur Straßenarbeiter aus Bangladesch ein dauerhaftes Bleiberecht hatten. Hier, in unwirklicher Höhe und unter unmenschlichen Bedingungen, schienen die Wanderarbeiter aus schwarzem Rauch entsprungen zu sein, wie Raben aus einer finsteren Welt. Ihnen allein war es zu verdanken, dass der Asphalt nach einem harten Winter wieder zum Leben erwachte. Schnee und Eis trieben hier ein gefährliches Spiel. Nicht mehr von dieser Welt war die Luft. Kleine Fetzen aus Sauerstoff nährten ein Feuer am Straßenrand. Dunkler Rauch würgte die Sonne unter einer schwarzen Decke. Bleiern saugten die toxischen Dämpfe wie an einem Stummel von Zeit. Gleichzeitig an den Lungen der Arbeiter. Die zerschlissenen Kleider flatterten im Wind, wie die Falten ihrer Gesichter. Elegische Bilder in Schwarz und Weiß.

Seit Martas letzter Indienreise scheint sich nichts verändert zu haben. Wie vor 15 Jahren schießt sie aus dem Bus erschreckend schöne Bilder. Blickt dabei in leere Seelen. Hat sie vor wenigen Minuten noch über Kopfschmerzen geklagt, so schämt sie sich jetzt fast ein wenig. Diesmal liegt kein milchiger Schleier über den Aufnahmen. Die Agentin lehnt sich zurück und notiert in ihr digitales Tagebuch:

Der Mangel an Sauerstoff macht müde und träge. Wie betäubt zieht die grandiose Landschaft an uns vorbei. Der Manali-Leh-Highway ist wohl eine der gigantischsten Straßen der Welt. Mit Blick auf die Götter schlängelt sich unser vollbesetzter Überlandbus durch die bizarre Landschaft des Himalayas, vom 2000 Meter hoch gelegenen Manali bis nach Leh, der Hauptstadt von Ladakh auf 3500 Metern. Dazwischen überqueren wir Pässe, die mit 5000 Metern über dem Meeresspiegel zu den höchsten der Welt gehören

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert